Ich hab ‘nen Neuen.

15 Dez

Ja, es stimmt – es gibt einen Neuen. Einen neuen Blog! Da ich in letzter Zeit medien & mehr nicht mehr gepflegt habe, wuchs in mir der Wunsch, mit einer anderen Zielrichtung zu bloggen. Hier geht es hoffentlich auch noch weiter, mit kritischen, langen, tiefgehenden Texten; für den Alltagskonsum habe ich nun Tut gut! eröffnet. Hier findet ihr Dinge, die einfach gut tun aus den Bereichen Reise, Genuss, Musik, Wohnen, usw. Eine kleine Oase, in der ihr die Seele baumeln lassen könnt. Viel Spaß beim Surfen! Vergesst diese Seite trotzdem nicht. Denn in meinem Kopf formt sich gerade eine Filmkritik…

Achja: Entschuldigt, dass ich mich so lange nicht gemeldet habe. Es ist so viel passiert dieses Jahr – und auch im Moment ist alles im Umbruch. In allen Bereichen meines Lebens. So ein Blog gerät da als erstes in Vergessenheit – leider!

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Faszination und Depression

16 Sep

Unsere Wohnung war ein Glückstreffer: Als mein Freund und ich vor einem halben Jahr durch die Straßen fuhren, wir waren auf dem Weg nach Hause, unterhielten wir uns über die Wohngegend, „Hier würde ich gerne wohnen“, sagte er, und ich lächelte verdutzt, und antwortete: „Das wollte ich auch gerade sagen“.

Ich zog mein iPhone aus der Tasche, wir hielten kurz am Straßenrand und ich hielt die Kamera auf das Haus gerichtet. „Wohnung frei – 730€“, stand da. Zugegeben, die Maklergebühren waren ärgerlich. Aber ansonsten haben wir unsere Traumwohnung gefunden!

Klingt wie im Science Fiction Film. Obwohl – inzwischen wissen viele Technik-Interessierte, dass diese „Augmented Reality“, die erweiterte Realität, schon möglich, nur noch nicht ganz serienreif ist. Im Lego-Laden Hamburg kann man die Spielzeuge, die noch eingepackt sind, vor die Kamera halten und sieht sie dann bereits aufgebaut und voll funktionstüchtig – in den eigenen Händen. Sogar drehen und von allen Seiten angucken ist möglich, in Echtzeit.

Vor einer Spielekonsole kann man schon lange herumhüpfen, um Dinge auf dem Bildschirm geschehen zu lassen.

Es gibt Apps, bei denen man die Handy-Kamera in den Nachthimmel hält und selbst bei Bewölkung dank GPS das aktuelle Sternenhimmelbild inklusive Infos zu Sternenbildern etc. bekommt. Man kann die Kamera gegen das Alpenpanorama halten und bekommt Infos zu Namen und Höhen der Berge. Realität und Technik verschmelzen.

Wohin ist die Zeit verschwunden?

All das ist fremd und faszinierend zugleich. Die Frage ist: Machen all diese Gadgets das Leben wirklich leichter, schöner, besser?

Ich habe mit einem Kumpel darüber geredet, wie abstrus manche Entwicklungen in unserer Gesellschaft laufen. Wieso gilt es als Rezession, wenn kein Wachstum vorhanden ist? Wieso bedeutet Stillstand Rückschritt?

Wir (und damit meine ich die Menschen, die in den Industrienationen leben) entwickeln Maschinen, die immer stärker, leistungsfähiger und schneller sind. Sie sollen uns das Leben erleichtern, alles einfacher und schneller machen. Doch in den letzten Jahren ist genau das Gegenteil passiert: Die Arbeitsbedingungen werden härter, durch die allgegenwärtige Technik und Kommunikation sind wir nie „weg“. Wir schreiben im Urlaub Mails, wir chatten abends im Bett noch mit dem Kumpel, wir telefonieren in der U-Bahn (in der nur ganz selten mal kein Netz ist). Die Menschen arbeiten länger, sind immer größerem Druck ausgesetzt und werden krank. Alle Zeitschriften schreiben über Burn-Out und menschenunwürdige Bedingungen. Ich frage mich da: Was ist passiert? Früher musste man auf Briefe warten. Konnte nicht schnell eine Rundmail schreiben, um alle Informationen an alle Mitarbeiter in ganz Deutschland zu verteilen. Da war vieles umständlicher, hat länger gedauert – und dennoch hat man das Gefühl, dass es damals „irgendwie“ weniger Stress war.

Im Lexikon nachschlagen dauert länger als bei Wikipedia nachzugucken.

In den Laden gehen und eine CD kaufen dauert länger als das Album bei iTunes herunterzuladen.

Fotos auf den PC zu ziehen geht schneller als alte Filme im Fotoladen entwickeln zu lassen.

Dem Kumpel in der anderen Stadt eine Mail zu schreiben geht schneller als einen Brief zu schicken.

Ich frage mich: Wo ist all die Zeit geblieben, die wir eingespart haben?

Und wieso sind wir so schnell ausgebrannt, wenn doch die Maschinen fast alles für uns erledigen?

Man isst immer mehr als man wollte.

Ich habe selbst keine Antworten, geschweige denn Lösungen oder Verbesserungsvorschläge. Ich kann nur meine Beobachtungen und Fragen formulieren, um möglicherweise andere zum Nachdenken zu bringen. Natürlich habe auch ich im eigenen Kopf selbstgebastelte Vermutungen; so denke ich, dass die Reizüberflutung, das Gefühl alles immer und überall haben und machen zu können, dazu führt, dass die Menschen möglichst viel mitnehmen wollen, einfach weil die Möglichkeiten gegeben sind und sie nicht das Gefühl haben wollen, etwas zu verpassen. Das jedoch führt dazu, dass sie vergessen, sich mit dem Wichtigsten auseinanderzusetzen: sich selbst, den eigenen Bedürfnissen. Ich denke, dass ein Mensch sich ständig fragt: „Was will ich?“ Dabei sollte er sich viel öfter fragen: „Was brauche ich?“

Und mal ganz ehrlich: Niemand BRAUCHT 3D-Fernseher, 828 Meter hohe Türme und Sternenhimmel-Apps. Es ist normal und richtig, das Bedürfnis nach Konsum, Weiterentwicklung und Neuerung zu haben. Aber hin und wieder innehalten und nach den tiefliegenderen Bedürfnissen zu hören halte ich für wichtig.

Ein Vergleich: Mit etwas Appetit macht man sich fertig für das Abendessen im Hotel. Eigentlich hat man gar nicht viel Hunger – es gab ja vor knapp eineinhalb Stunden noch ein Brötchen am Flughafen. Im Restaurant dann das Buffet: riesig, duftend, mit hunderten von verschiedenen Speisen. Vorspeisenbuffet, Salatbuffet, Brotbuffet, Käsebuffet,  noch imposanteres Hauptspeisenbuffet, Eisbuffet, Dessertbuffet. Eigentlich hatte man kaum Hunger, doch verlockt von all den Gerüchen und Köstlichkeiten isst man viel mehr, als man wollte. Eigentlich ist der Hunger schon nach der Vorspeise gestillt, dennoch isst man drei Gänge.

Es ist das Angebot, das Bedürfnisse schafft. Hat das Leben zu viele Angebote, fressen wir uns durch dieses Buffet eben auch hindurch – bis uns schlecht ist.

Früher tranken wir alle Milch

Eine andere Beobachtung, die ich gemacht habe: Obwohl die Medizin soweit ist wie nie zuvor, uns die modernsten Techniken und Tabletten bietet, sind die Menschen ständig krank. Und es kommen immer wieder neue Krankheiten dazu. Ich will nicht sagen, dass ich diese Dinge nicht glaube oder nicht ernst nehme, im Gegenteil, ich finde es erschreckend.

Aber ich kann mich nicht daran erinnern, dass im Kindergarten jemand keinen Kakao getrunken hat „weil die Lara laktoseintolerant ist“. Wir haben alle Milch getrunken.

Mir war bis vor Kurzem nicht bewusst, dass glutenfreies Brot überhaupt existiert. Und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass vor 50 Jahren jemand wegen „psychosomatischer Nackenverspannungen“ zur Akupunktur gegangen ist.

Irgendetwas hat uns empfindlicher gemacht, unseren Körper anfälliger, uns die Robustheit genommen.

Waren wir es selbst? Und wie können wir uns unsere Kraft zurückholen?

Toll.

14 Sep

Leute, dieses Internet fasziniert mich in gewissen Momenten immer wieder. Hier meine letzten Dinge, die ich im Netz herausgefunden habe:

1. Diese Melodie aus dem Refrain von „Get on the floor“ von J.Lo kommt vom Lied „Lambada“. Das findet man raus, indem man „Get on the floor Melodie“ googelt.

2. Walter Moers bringt am 5.10. „Das Labyrinth der Träumenden Bücher“ raus. (Walter Moers ist und bleibt einer meiner Literatur-Helden, obwohl ich eigentlich nicht auf Fantasy stehe.)

3. Dass Harald Schmidt immer noch fantastisch, sarkastisch, zynisch und sicherlich noch andere Wörter mit -isch am Ende ist. Und ich dafür nicht einmal bis Mitternacht aufbleiben muss. Gestern Abend ging’s mir nicht gut – kein Problem – ich schaue mir gerade die Sendung online (und das sogar legal) an.

Schöne neue Welt. So, ich muss weitergucken. Morgen gibt’s eine Rezension zum tollen Album von „BOY“.

Alles wie immer

12 Sep

Manche erwarteten eine „Fernsehrevolution“, er sollte es schaffen, einem stinklangweiligen Polit-Talk wieder Leben und Sympathie einzuhauchen. Mit seinem jungenhaften Charme und dem Talent, Kritik, Witz und Spott auf kluge, unprätentiöse Weise zu vermitteln fesselt er Zuschauer an Wer wird Millionär, Jahresrückblicke, Stern TV (zumindest bis vor Kurzem) und bringt sie dazu, Krombacher für den Regenwald zu trinken.

Nun also Polit-Talk.

Gespannt saß auch ich gestern Abend vor dem Fernseher, erblickte zunächst den altbekannten Jauch vor einer Fabrikhallen-Wand, auf der Bilder von 9/11 projiziert wurden und so stark verfremdet wirkten. Nett gemacht, dachte ich. Mal was anderes.

Was dann folgte, war nicht so schlecht, dass ich abschalten musste, doch der Mann, der sonst Sicherheit, Kompetenz und die stumme Gewissheit hoher Quoten ausstrahlte, wirkte anfangs wie bei Stern TV, dann unsicher, hölzern und farblos. Nein, es war nicht schlecht, schließlich reden wir hier von Günther Jauch, bei ihm ist es es immer Kritik auf hohem Niveau. Dennoch verdient diese Sendung eine Portion dieser Kritik.

Zwischendurch mal auf Toilette gehen? Kein Problem.

Die von „Switch“ so gerne parodierte Angewohnheit, sich stark auf seine Moderationskarten zu konzentrieren, war auch gestern allzu offensichtlich. Er klammerte sich an Infos und vergaß, dass er gerade mit seiner Spontaneität, allein mit der spontanen Mimik viele Zuschauer unterhalten und binden kann und auch gestern Abend hätte binden können. Er war korrekt, stellte die richtigen Fragen, ließ Klinsmann den Amerikaner beschreiben und alle in etwa gleich viel reden. Er war so korrekt, dass ich nach 10 Minuten begann, mich zu langweilen. Es kamen keine hitzigen Diskussionen auf, vielleicht ein Lacher. Die Sendezeit plätscherte so dahin, nichts fesselte, zwischendurch mal auf Toilette gehen war kein Problem.

Eine Kuppel voller Ansprüche

Der farblose Effekt wurde durch das spektakuläre Studio verstärkt – alles hier schrie: „Groß! Neu! Wow! Revolution! Innovation! TV-Spektakel!“ Und Jauch machte: „Hm.“

Es ist schwer, diese raumschiffartige, moderne Kuppel mit kreativem Fabrik-Charme und voller Ansprüche ausfüllen zu können. Es war nicht umsetzbar, die Kritiker zu befriedigen. Und auch der große „Fernseh-Gott“ Jauch kann nicht zaubern und eine Sendeform komplett neu gestalten. Aber wenn er sich entspannt, die Emotionalität, die schon bei Stern TV geschätzt wurde, beibehält und auch wieder mit Spontaneität punkten kann, dann kann man sich „Günther Jauch“ sicherlich in Zukunft nach dem Tatort ganz gut angucken. Es ist ein Polit-Talk wie jeder andere. Aber es könnte einer der guten werden.

Manchmal tut es gut, zu flüchten.

8 Sep

Es sind Momente, in denen man alles vergisst, was um einen herum und in einem drin passiert. All der Alltag, die Sorgen, die Streitereien, alles verschwindet, weil man abtauchen kann, einfach nur, indem man aufklappt und umblättert.

Manche Bücher vollbringen kleine Wunder, bringen Menschen dazu, umzudenken, zu weinen, zu lachen. Diese Bücher eröffnen eine neue Welt, die wir noch nicht kannten, in die wir eintauchen können, wann immer wir wollen, und wenn es uns zu bunt wird, sind wir in einem – im wahrsten Sinne des Wortes – Augenblick wieder im echten Leben.

Jedes Buch ist eine Reise, wir lernen Menschen kennen, mögen die einen, verachten die anderen. Wir werden Teil dieser Welt. Und mit jedem Buch, das wir lesen, sind nicht nur wir Teil einer (Fantasie-)Welt geworden, sondern auch die Welten, die Menschen aus ihnen, ihre Erlebnisse, Denkmuster und Taten bleiben für immer ein Teil von uns.

Kurz: Wer liest, weiß mehr. Wer liest, erweitert seinen Horizont. Wer liest, versteht.

Bücher!

In den letzten Wochen habe ich ein nicht so gutes und vier fantastische, ganz unterschiedliche Bücher gelesen.

Das nicht so gute war ein Bestseller:

Der Regler von Max Landorff. Es war nicht schlecht. Aber es hat mich nicht in seinen Bann gezogen. Interessante Stellen schaffen einen Aha-Effekt und das flaue Gefühl, dass diese dubiose Unterwelt mit solchen „Reglern“ tatsächlich existiert, bleibt zurück. Dennoch konnte ich es problemlos weglegen, jederzeit. Die Figuren haben leider kaum Profil, bleiben schwammig und kommen dem Leser nicht nah.

Fazit: Gute Story-Idee, die an der Umsetzung scheitert.

Empfehlungen

Nun aber zu meinen Lieblingen.

1. Ein Krimi: Adrenalin von Michael Robotham.

Für den Psychologen Joe O’Loughlin wird der Mord an einer Krankenschwester zum Höllentrip. Zuerst wird er als Hilfe von der Polizei hinzugezogen, später steht er selbst im Verdacht, den Mord begangen zu haben. Dabei kann es eigentlich nur sein Patient Moran gewesen sein, denkt O’Loughlin, bis er herausfindet, dass all die Sitzungen mit ihm auf Lügen basierten und er längst mitten drin steckt, in dem perfiden Spiel, bei dem plötzlich sein eigenes Leben in Gefahr gerät.

Der Psychologe ist ein sympathischer, bodenständiger Mann, den man mit seinen Alltagsproblemen mit der Familie sofort ins Herz schließt. Die Story gewinnt immer mehr an Fahrt – während sich die ersten 100 Seiten noch etwas schleppen, kann man die letzten 100 nur noch an einem Stück durchlesen. Der Titel passt, das Adrenalin rauscht auch durch die Adern der Leser.

Fazit: Eine rundum geglückte Story, die immer wieder unerwartete Dinge hervorbringt, und ein Protagonist, mit dem man sofort mitfühlen kann. Sehr, sehr gelungen. Übrigens kein Gemetzel-Buch, die Spannung baut sich psychisch auf!

2. Ein bitterböser Psychothriller: Furchtbar lieb von Helen FitzGerald.

Krissie und Sarah sind seit Kindertagen befreundet, obwohl sie ganz unterschiedliche Charaktere sind. Die eine chaotisch, verplant und wild, die andere organisiert, perfektionistisch und penibel. Zu dritt, mit Sarahs Mann Kyle, geht es in den Urlaub, wo sich die Ereignisse überschlagen: Krissie geht mit Sarahs Mann ins Bett. Dann bringt Krissie Sarah um. Und dann ändert sich einfach alles.

Ein bitterböser Thriller, bei dem (im Gegensatz zu Tipp 1) jede Gewalt- und Sexszene detailliert beschrieben wird. Helen FitzGeralds Tonalität liegt irgendwo zwischen Zynismus, Witz, Satire und Thriller. Sie schafft es, den Leser selbst bei einem Mord schmunzeln zu lassen. Gleichzeitig dringt sie in die Charaktere tief ein, schafft einen Blick in die Seelen der Protagonisten und schockiert den Leser immer wieder mit unerwarteten Wendungen, die einem den Atem stocken lassen.

Fazit: Das Buch bietet Tempo, Witz, schwarzen Humor und all die großen Emotionen: Liebe, Hass, Neid und Gier. Nicht allzu realistisch, aber furchtbar unterhaltsam und alles andere als lieb.

3. Ein leichter Liebesroman: Die Frau meines Lebens von Nicolas Barreau.

Antoine, ein Buchhändler aus Paris, sitzt eines Tages im Café und verliebt sich auf den ersten Blick in die schöne Unbekannte, die ihm sogar – er kann sein Glück kaum fassen – ein Kärtchen mit ihrer Telefonnummer zuwirft. Kurz bevor er sie anrufen will, passiert das Unglück: Ein Vogel tut, was ein Vogel eben manchmal tun muss, und das leider genau auf das Kärtchen. Die letzte Zahl ist verschwunden. Doch Antoine gibt nicht auf und sucht nach der Frau seines Lebens – ob er sie findet, wird nicht verraten…

Ein Roman so zart wie ein Sommertag im wunderbaren Paris. Leicht zu lesen, an einem Tag mit etwas Zeit hat man dieses 136-Seiten-Büchlein durch. Ich habe Antoine sofort ins Herz geschlossen und mit ihm gefiebert, ob er die Schöne wiederfindet. Habe mit ihm gelitten und gelacht, es war, als erzähle mir ein guter Freund seine Geschichte. Und trotz der Leichtigkeit gleitet Nicholas Barreau niemals ins Banale ab, in jedem Satz schwingt ein bisschen Weisheit mit genau der richtigen Dosis Kitsch mit.

Fazit: Ein wunderbares Buch, das glücklich macht. Und jede Leserin wird sich wünschen, die schöne Unbekannte zu sein. Ach, wenn solche Männer doch bloß im echten Leben existieren würden…!

4. Ein Drama/Science-Fiction-Roman: Alles, was wir geben mussten von Kazuo Ishiguro.

Hailsham ist auf den ersten Blick ein gewöhnliches Internat in England. Kathy, die Ich-Erzählerin, und ihre Freunde Ruth und Tommy wachsen hier auf, jedoch nicht, um irgendwann einem normalen Leben nachzugehen, sondern um Organe zu spenden. Hailsham ist nur dafür da, um lebende „Ersatzteillager“ aufzuziehen – Klone von Menschen, die einzig dem Zweck dienen, Organe zu entwickeln, die gespendet werden können. Allerdings wird dies nie direkt gesagt, sondern entwickelt sich nur im Kopf des Lesers durch all das, was zwischen den Zeilen steht. Wir verfolgen, wie die drei Kinder aufwachsen, zu Erwachsenen werden, mit einem immer stärker werdenden Bewusstsein über ihr Schicksal und einem ebenso schnell wachsenden Fatalismus.

Ein Roman, der unspektakulär daher kommt – schlichte, aber immer stilsichere Sprache, kaum Sprünge in der Handlung, sogar das Cover wirkt einfach. Und dennoch sind es Feinheiten, die einen in den Bann ziehen. Ishiguro schafft es, Lebensgeschichten und Charaktere nachvollziehbar zu machen, kleinen Momenten, in denen nur ein falsches Wort gefallen ist, eine große Bedeutung zuzumessen. Er übersieht nicht. Wie ein Mensch zu dem wird, was er ist, ob tatsächlich der Mensch sein Schicksal bestimmt und welche Rolle dabei die Umstände spielen, was wir verpassen, während wir auf die großen Momente warten und ob Menschen tatsächlich alles umsetzen sollten, was technisch möglich ist – um solche Fragen dreht es sich (wenn auch nur zwischen den Zeilen) in diesem wohldurchdachten, feingeistigen Buch.

Fazit: Faszinierend, fesselnd, lesenswert, wichtig und auf ganz unaufgeregte Art ein schockierendes Buch.

Hallo, Echo…

7 Sep

Hallo? Ist da noch jemand?

Ich weiß, ich war sehr lange nicht hier, habe mich gehen lassen, meine Wortergüsse nur auf festplatteninternen Gefilden belassen. Wenn man erst einmal angefangen hat, nichts zu posten, dann ist es schwierig, den richtigen Zeitpunkt zu finden, wieder anzufangen. Durch die entstandene Pause möchte man keine Banalitäten schreiben, da sonst die Leser möglicherweise denken: „Was hat die denn die ganze Zeit gemacht? Hat sie nach so vielen Wochen nichts Spannenderes zu erzählen?“ Und dann lässt man es lieber bleiben, verdrängt das bohrende Gefühl, das sich ab und zu in dem Bereich zwischen Brust und Bauch meldet, tut es als Muskelkater ab und vervielfältigt es dadurch noch mehr, da man lange schon nicht mehr beim Sport war, der diesen Ausrede-Muskelkater bescheren hätte können.

So wird die Pause immer größer und – ich gebe es zu – das bohrende Gefühl kleiner. „Jetzt kommt es auf die paar Tage auch nicht mehr an“, denkt man sich, und schaltet den Fernseher an/holt sich ein Stück Schokolade/schreibt die Einkaufsliste/zupft sich die Augenbrauen/… oder geht sogar zum Sport.

Aber nun wurde ich beim Social Networken darauf aufmerksam gemacht, dass es verlorene Leser gibt, die warten. Und wenn ich nicht mehr nur mein Gewissen, sondern auch noch andere Leute mit meiner Untätigkeit (wobei ich gar nicht so untätig war, aber dazu später) enttäusche, ist der Zeitpunkt gekommen. Der Zeitpunkt, zu posten, aktiv zu werden, mich nicht nur Bloggerin zu nennen, sondern auch wieder eine zu sein.

Zur Erklärung, was ich in den letzten Wochen getrieben habe:

- Ich habe meine Abschlussprüfungen gemacht und – da muss ich mich auch mal selbst loben und das Risiko, etwas zu müffeln, eingehen – mit Bravour bestanden. Nenne mich nun Diplom TV-Journalistin, wenn ich mal schlechte Laune habe. Tut gut. Achja: Ich habe das 1000. Diplom in der Geschichte der Bayerischen Akademie für Fernsehen bekommen. Gab ein Buch und ein schönes Foto. Und natürlich Ruhm und Ehre, hüstel.

- Ich bin in einer wilden Nachtfahrt mit meinem Freund von München nach Hamburg gefahren. Haben uns ein großes Auto geliehen: Mercedes, ich glaub’ das war eine G-Klasse (kenne mich mit Autos überhaupt nicht aus). Es war schlimm. Das Auto ist bestimmt toll im Gelände, für (reiche) Förster vielleicht genau das Richtige. Für junge Menschen, die lange auf der Autobahn fahren wollen, ist es die falsche Fahrt. Der Wagen schert gerne mal unerwartet nach links oder rechts aus – nach 9 Stunden Nachtfahrt mit drohendem Sekundenschlaf eher Gefahren- als Luxus-Klasse.

- Wir sind angekommen, 3 Tage später in den Urlaub gefahren (Fuerteventura, Club Aldiana, herrlich!), haben Sport gemacht, haben rumgelegen, ich habe kein Handy, kein Laptop, nichts dabei gehabt, es war hochgradig entspannend.

- Als wir zurück kamen, sind wir 2 Tage später umgezogen, und die Entspannung war sofort hinüber – restliche Kisten packen, der übliche Stress mit altem Vermieter/Hausmeister, putzen, packen, schleppen, putzen, packen, auf Esstischstühlen Fernsehabende machen, weil das neue Sofa nicht da war, altes Sofa vergeblich bei eBay Kleinanzeigen eingestellt, und so weiter.

- Inzwischen sind wir fast einen Monat hier (oh mann, wie die Zeit vergeht…), haben sehr viel Geld in einem schwedischen Möbelhaus gelassen (dessen Schoko-Kekse ich an dieser Stelle noch einmal loben möchte, das Frühstück vor Ort allerdings ist, zumindest gegen 11, nicht mehr zu empfehlen), sehr viele Möbel aufgebaut, eingeräumt, rumgeräumt, und so weiter.

Fazit der neuen Wohnung: Altbauwände und schwere Gegenstände, die man anbohren muss, vertragen sich nicht gut – früher fehlte Beton, tja, da hat man eben Sand genommen. Man sollte bei größeren Möbelstücken immer gemeinsam einkaufen gehen. Klebrige Griffe an der Küche muss man auch einfach mal akzeptieren. Der Eismann kommt auch hierher. Wenn bald noch die Lampen hängen, ist es echt eine Traumwohnung. Ich fühl mich sauwohl.

So. Anders gesagt: Faul war ich nicht. Und in 12 Tagen beginnt mein Praktikum. 12 mögliche Blogeinträge, ich weiß. Und ich tu, was ich kann. Kleiner Ausblick: Morgen werde ich Buchkritiken schreiben, denn ich habe in letzter Zeit viele tolle Bücher lesen dürfen.

Verzeiht mir meine Abwesenheit. Wenn das hier überhaupt noch einer liest. Hallo? Echo?

Spiegel der Wirklichkeit

15 Jul

Ich habe gerade etwas gelesen, das mich nachdenklich gemacht hat.

Maybrit Illner sagt im Spiegel Online Interview: „Wir machen nun mal Fernsehen, und Fernsehen ist zwangsläufig oberflächlich. Und trotzdem gibt es den Leuten etwas.“

Inszenierte Wirklichkeit

„Fernsehen ist zwangsläufig oberflächlich“ – auch ich habe diese Erfahrung in den letzten 10 Monaten TV-Journalismus-Studium gemacht. Man kommt zwar in längeren Filmen wie Reportagen oder Portraits relativ nah an einen Menschen heran, dennoch verändern wir allein schon mit der Anwesenheit der Kamera das Auftreten dieses Menschen. Er betrachtet sich selbst stärker von Außen, sobald die Kamera an ist, achtet auf Gestik und Mimik, erzählt andere Dinge, als wenn die Kamera aus ist. Alles, was vor der (sichtbaren) Kamera geschieht, ist eine Inszenierung – und wenn es noch so „echt“ ist. Das kennt jeder, es fängt doch schon bei Privatfotos auf der Geburtstagsfeier an: Oh, Foto? Moment, ich streich schnell meine Haare glatt und lächle mein Foto-Lächeln, egal, wie sehr ich mich gerade mit meinem Freund gestritten habe. Eine Party kann noch so misslungen sein, auf den Fotos lächeln die Gäste.

Zudem bleiben Fernsehtexte oberflächlich. Statt Fremdwörter zu verwenden, umschreibt man möglichst einfach; statt Schachtelsätze mit interessanten Sprachspielereien zu bilden, hält man sich am Besten an die „Subjekt-Prädikat-Objekt“-Regel. Einfach bleiben. Bilder sprechen lassen. Ja, es hat auch seinen Reiz, ein Zusammenspiel aus Bild und Text hinzukriegen; Inhalt wird auf andere Weise vermittelt.

Flucht in die Banalität

Doch wieso schauen Menschen denn fern? Entspannung, Unterhaltung, Eskapismus. Sie wollen abschalten, indem sie anschalten. Oberflächlichkeit tut gut, denn dann muss das Gehirn keine Glanzleistungen mehr erbringen.

Ich bin genauso, ich schaue mir nach einem stressigen Tag liebend gern Daniela Katzenberger, Topmodel oder eine romantische Komödie an. Aber meine berufliche Karriere in einer Branche zu sehen, bei der sich alles um schöne Bilder, minimalistische Komplexitätsgrade und simple bis banale Texte dreht, widerstrebt mir.

Hinter der Kamera

Hinter der Kamera geht es im Fernsehgeschäft fast ebenso oberflächlich weiter – anstatt zusammen über die Banalität manch eines Beitrags zu lachen und kollegiales Verhalten an den Tag zu legen, sehen einige (nicht alle!) jeden Kollegen als Konkurrenz. Figur, Outfit, Haare und Stimmung müssen möglichst perfekt sein, auch bei denen, die nur als Reporter oder Redakteure hinter der Kamera agieren. Jeder ist sch…freundlich und hinterrücks wird gelästert, als gäbe es kein Morgen. Und das schon in der Ausbildung – im „wahren“ TV-Leben ist das wahrscheinlich noch ausgeprägter, wenn es dann auch noch um Geld geht. Nein, sicher sind nicht alle so, und sicher gibt es das auch in anderen Bereichen. Aber meine Erfahrungen im Medienbereich zeigen, dass dieses Verhalten beim Fernsehen deutlich ausgeprägter ist.

Über den Bildschirmrand geblickt

Doch bei all dem Gerede über Oberflächlichkeit im Fernsehen kommt mir der Gedanke, was im Leben denn überhaupt noch echt ist. Schummel-Unterwäsche, Fensterglas-Brillen, gefärbte Haare, Push-Up-BHs und Make-Up sind heutzutage bei den meisten Frauen Standard. „Dank“ medialer Aufmerksamkeit gelten auch Schönheits-OPs kaum mehr als Besonderheit – schau ich mich im Fitnessstudio um, so sehe ich jedes mal operierte Brüste oder Narben von Fettabsaugungen und Straffungen. Sogar 13-Jährige wollen sich schon operieren lassen, anstatt zu lernen, ihre Körper mit all den Veränderungen zu beobachten und zu akzeptieren.

Das also ist das echte Leben, ohne Inszenierung? Schaut man sich um, laufen alle modebewussten Mädels mit Chino-Hose und hohem, gewollt unordentlichem Dutt herum; die modebewussten Jungs mit schmaler Hose, wer mutig ist auch in Knallfarbe, und dazu ein T-Shirt mit V-Ausschnitt. Nerd-Brillen sind langsam wieder out, Stoffschuhe in. Schau ich mich auf der Straße in der Innenstadt um, erblicke ich also vor allem eines: Uniformität.

Das geht in den Meinungen und Ansichten weiter, Stichwort soziale Erwünschtheit. Smalltalk drehen sich um (beliebige Auswahl):
-       böse Atomkraft,
-       böse Schuldenkrise,
-       böse Politiker,
-       schlechte Bezahlung,
-       Hochzeit von Freunden,
-       Kind und Karriere vereinen,
-       abnehmen,
-       Sport,
-       blöde neue Kollegin.

Und das gute alte Wetter, na klar. Alles in Smalltalk-Manier, man kratzt kaum an der Oberfläche. „Unfassbar, wir sollen nun auch noch die Italiener finanzieren!“ – „Ja, so eine Sauerei.“ – „Immerhin, heute gibt’s Schweinebraten in der Kantine.“

Henne oder Ei?

Oberflächlichkeit im Fernsehen? Tatsächlich bildet das Fernsehen oftmals nur die Wirklichkeit ab, hält uns den Spiegel vor. Banalitäten bestimmen doch den Großteil des Alltags der meisten von uns. Wer antwortet schon ehrlich auf die Frage, wie es einem denn so ginge? Wer sagt immer seine Meinung? Wer lächelt nur dann, wen ihm nach einem Lächeln zumute ist? Wer ist immer tiefsinnig?

Bei all den Diskussionen um die Belanglosigkeiten frage ich mich: Ist es tatsächlich das Fernsehen, das oberflächlich ist, oder sind wir es?

Und wenn wir es sind – woher kommt dieses Verhalten und Denken? Ist es schlimm?

Und kann man Wahrhaftigkeit lernen?

I wanna be like Cameron!

3 Jul

„Du kriegst eine piepsige Klein-Mädchen-Stimme, wenn du mit wichtigen Leuten telefonierst“, sagte meine Mama mir vor ein paar Monaten. Ich war deprimiert, dachte ich doch, dass ich eher professionell klingen würde. Doch eine leichte Nervosität schlägt sich auf meine Stimmbänder nieder, und ich beginne zu säuseln, sobald ein potentieller Vorgesetzter dran ist.

Ganz anders Cameron Diaz in ihrer aktuellen Komödie „Bad Teacher“. Die Protagonistin im Film hat eigentlich nicht viel vorzuweisen, trinkt, kifft, ist unaufmerksam und faul. Dennoch hat sie ein unzerstörbares Selbstbewusstsein. Als Lehrerin will sie vor allem eins: einen reichen Mann kennen lernen. Doch bei all dieser Unvorbildhaftigkeit dachte ich immer wieder: Mann, von der Frau im Film sollte ich mir mal eine Scheibe abschneiden.

Ihr ist es egal, wenn etwas schief geht. Kritik an ihrer Arbeitsweise interessiert sie schlichtweg nicht. Auf einen „gutgemeinten Rat“ hin schaut sie die feindliche Kollegin abschätzig an: „Meinst du, wir beide kriegen ein Problem?“ Sie ist egoistisch, macht, was sie will, ist sich für nichts zu schade und schert sich nicht um Vorschriften.

In meinem Leben hingegen fallen ständig Sätze wie „Das muss noch gemacht werden“, „Meine To-Do-Liste ist viel zu voll“, „Ok, da hast du sicher Recht“ und „Dann bleib’ ich heute eben länger.“

All das ist normal, aber es macht einen auch kaputt. Immer tun, was von einem erwartet wird. Alles streng nach Vorschrift. Das macht weder glücklich noch kreativ. In seinem Leben sollte man ab und zu den Kopfstand üben – wenn auch nur in symbolischer Hinsicht. Neues ausprobieren, andere Perspektiven zulassen, das Gehirn mal gut durchbluten. Man muss das Leben manchmal auf den Kopf stellen, um es wieder zurechtzurücken. Und es ist ok, pünktlich Feierabend zu machen, selbst wenn man „nur“ abends mit seinem Schatz zum Kochen verabredet ist.

Cameron Diaz entscheidet sich am Ende nicht für den reichen, dummen Mann, sondern den normalen, kernigen, witzigen Kerl. Auch sie hat durch das Durcheinander in ihrem Leben ein Stück mehr zu sich selbst gefunden. Und auch wenn man nicht unbedingt saufen, kiffen und sein Job scheiße finden muss, transportiert der Film eine sehr entscheidende Botschaft: Langweilig verliert. Trau dich, du selbst zu sein, und du wirst deinen Weg finden. Denn „Selbstbewusstsein“ kommt von „sich seiner selbst bewusst sein“.

Zum Abschluss noch ein Video über Wege, kreativ zu bleiben – und eben nicht in die Falle der Langweiligkeit zu tappen.

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Facebook – Fluch und Segen zugleich

30 Jun

Facebook zerstört soziales Miteinander, hält einen vom Arbeiten ab und macht süchtig. Die sozialen Netzwerke müssen viel Kritik standhalten, schaffen das aber problemlos. Die Nutzerzahlen steigen täglich, kaum jemand unter 40 kann sich Mark Zuckerbergs Lebenswerk entziehen.

„Gefällt mir“ macht süchtig

Auch ich bin (viel zu) aktive Nutzerin. Ich gebe zu, dass ich zu viel Zeit dort verplempere, in der ich putzen, lernen, lesen, schreiben oder eine Runde durch den Park joggen könnte. Stattdessen gucke ich mir Reise-Fotoalben von Menschen an, die ich kaum kenne und chatte mit einer Freundin, die ich abends sowieso sehe. Mein Freund sagt, ich bin ein Junkie. Ein Internet-Handy-Facebook-Junkie. Ständig blicke ich auf mein iPhone 4, das trotz des horrenden Kaufpreises inzwischen auch irgendwie jeder hat, aber durch farbige Schutzhüllen wahnsinnig individuell wird. Ich checke Mails, schreibe SMS, suche Abendessen in der Rezepte-App und das fertig gekochte Dinner wird dann erst einmal bei Facebook als Status-Bild gepostet. Bin ich süchtig? Tatsächlich habe ich mir selbst eine Urlaubs-Abstinenz vorgenommen, zwei Wochen werde ich im August ohne Handy verbringen. Mal ganz an Ort und Stelle sein, nicht erreichbar, vielleicht einmal in der Woche im Internetcafé nach E-Mails schauen. Denn die kleinen Glückshormone für jedes Anstupsen, jeden „Gefällt mir“-Daumen, jeden Kommentar sollten nicht Grund dafür sein, mein Umfeld zu vergessen, während ich auf mein Handy starre.

Nicht alles ist schlecht

Dennoch will ich auch mal meine persönlichen positiven Erfahrungen mit Facebook herausstellen.

Erster Punkt, ganz klar, allen bekannt: Man verliert die Leute, die weiter weg wohnen, nicht so schnell aus den Augen. Man weiß in etwa, was sie tun, was sie beschäftigt (Umzug, neuer Job, Heirat,…). Und wenn man sich wiedersieht, muss man nicht bei Null anfangen, sondern hat eine kleine Basis an Grundinformationen.

Zweiter Punkt: Ich habe schon wirklich interessante Dinge bei Facebook mitgekriegt. Das beginnt mit guten Artikeln aus Titanic, Spiegel Online, Welt und Co., die auf meiner Pinnwand erscheinen, weil jemand sie geteilt hat. Ich klicke die Tipps meiner Freunde gerne an, lieber als Empfehlungen kommerzieller Seiten – und meistens steckt auch wirklich etwas dahinter, was mich interessiert. Zudem werden über die Kommentarfunktion Diskussionen geführt. Erst vor wenigen Tagen haben Menschen, die sich nicht einmal alle kennen, eine hochinteressante, komplexe und intelligente Diskussion über Atomkraft begonnen. Bissig und ironisch, wütend, angriffslustig, aber immer mit Köpfchen. Gefällt mir!

Dritter Punkt: Da viele Firmen Facebook für ihr Marketing entdeckt haben, bekommt man zwar auch viel Werbung zu lesen, aber es gibt gerade für Facebook-Fans oft tolle Aktionen. Bei John Frieda habe ich ohne viel Aufwand neulich ein Go-Blonder-Produktset gewonnen, zur Weihnachtszeit gab es in einem Facebook-Adventskalender eines Onlineshops täglich tolle Gewinne, auch da habe ich einen hochwertigen Marken-Poncho abgesahnt. So eine hohe Wahrscheinlichkeit in Gewinnspielen zu punkten gab es wohl nie zuvor.

Und die Moral von der Geschicht’

Facebook ist Fluch und Segen zugleich. Es erleichtert und erschwert, es macht süchtig und wütend, es macht glücklich und provoziert Missverständnisse. Es soll ja schon Paare gegeben haben, die sich wegen eines aus Spaß veränderten Beziehungsstatuses haben scheiden lassen. Soweit darf man es mit der Facebook-Sucht dann wirklich nicht kommen lassen. Ich werde wohl weiterhin rumsurfen, Zeit verplempern, „I like!“ sagen und nach den guten Seiten des Netzwerkes suchen, um mir das Ganze schön zu reden. Denn Sucht hin, Ablenkung her: Abmelden ist doch auch keine Option.

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Wenn ein Stück Kindheit geht

23 Jun

Es gibt Menschen im Fernsehen, die sind Moderatoren, und es gibt andere, die sind viel mehr als das. Sie sind Institutionen. Ein Fernseh-Leben ohne sie ist kaum vorstellbar, sie gehören auf den Bildschirm wie Gin zu Tonic und Pommes zu Mayo.

Zwei fallen mir spontan ein: Günther Jauch und Thomas Gottschalk. Letzterer, unser blond gelockter Freund der familienfreundlichen Samstagabendunterhaltung, ist nun drauf und dran, seinen Status aufzugeben. Nach dem tragischen Unfall bei „Wetten, dass..?“, bei dem Samuel Koch schwer verletzt wurde, will Gottschalk nun Schluss machen. Seine Mallorca-Ausgabe von „Wetten, dass..?“ letzten Samstag machte es nicht leichter, das zu akzeptieren: Thomas Gottschalk war grandios. Er bot den Zuschauern eine der besten Sendungen seiner Karriere. Ich schaue „Wetten, dass..?“ sonst eher nebenbei und mache etwas anderes, lese Zeitschriften, schreibe Mails, surfe im Internet. Bei dieser Sendung allerdings war ich voll dabei – illustre Gäste, unterhaltsame Wetten (der Kerl mit den Kokosnüssen war grandios!) und ein entspannter, witziger und auch gar nicht so schlecht gekleideter Gottschalk.

Es wird komisch, wenn er nicht mehr da ist. Immer einen blöden Spruch auf den Lippen, immer entspannt, immer er selbst. Thomas Gottschalk und „Wetten, dass..?“ – damit bin ich groß geworden. Aber es ist ok, ich kann damit leben. Ich starte ins Berufsleben, beginne einen neuen Lebensabschnitt – da passt ein neuer „Wetten, dass..?“-Moderator doch ganz gut. Mein Wunsch: Hape Kerkeling. Er hat meiner Meinung nach das Zeug dazu, die nächsten Jahrzehnte zu übernehmen, nur er. Und vielleicht habe ich irgendwann ein Kind, das in 25 Jahren dann darüber bloggt (oder was auch immer man dann tut), dass der große Hape aufhört.

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