Facebook zerstört soziales Miteinander, hält einen vom Arbeiten ab und macht süchtig. Die sozialen Netzwerke müssen viel Kritik standhalten, schaffen das aber problemlos. Die Nutzerzahlen steigen täglich, kaum jemand unter 40 kann sich Mark Zuckerbergs Lebenswerk entziehen.
„Gefällt mir“ macht süchtig
Auch ich bin (viel zu) aktive Nutzerin. Ich gebe zu, dass ich zu viel Zeit dort verplempere, in der ich putzen, lernen, lesen, schreiben oder eine Runde durch den Park joggen könnte. Stattdessen gucke ich mir Reise-Fotoalben von Menschen an, die ich kaum kenne und chatte mit einer Freundin, die ich abends sowieso sehe. Mein Freund sagt, ich bin ein Junkie. Ein Internet-Handy-Facebook-Junkie. Ständig blicke ich auf mein iPhone 4, das trotz des horrenden Kaufpreises inzwischen auch irgendwie jeder hat, aber durch farbige Schutzhüllen wahnsinnig individuell wird. Ich checke Mails, schreibe SMS, suche Abendessen in der Rezepte-App und das fertig gekochte Dinner wird dann erst einmal bei Facebook als Status-Bild gepostet. Bin ich süchtig? Tatsächlich habe ich mir selbst eine Urlaubs-Abstinenz vorgenommen, zwei Wochen werde ich im August ohne Handy verbringen. Mal ganz an Ort und Stelle sein, nicht erreichbar, vielleicht einmal in der Woche im Internetcafé nach E-Mails schauen. Denn die kleinen Glückshormone für jedes Anstupsen, jeden „Gefällt mir“-Daumen, jeden Kommentar sollten nicht Grund dafür sein, mein Umfeld zu vergessen, während ich auf mein Handy starre.
Nicht alles ist schlecht
Dennoch will ich auch mal meine persönlichen positiven Erfahrungen mit Facebook herausstellen.
Erster Punkt, ganz klar, allen bekannt: Man verliert die Leute, die weiter weg wohnen, nicht so schnell aus den Augen. Man weiß in etwa, was sie tun, was sie beschäftigt (Umzug, neuer Job, Heirat,…). Und wenn man sich wiedersieht, muss man nicht bei Null anfangen, sondern hat eine kleine Basis an Grundinformationen.
Zweiter Punkt: Ich habe schon wirklich interessante Dinge bei Facebook mitgekriegt. Das beginnt mit guten Artikeln aus Titanic, Spiegel Online, Welt und Co., die auf meiner Pinnwand erscheinen, weil jemand sie geteilt hat. Ich klicke die Tipps meiner Freunde gerne an, lieber als Empfehlungen kommerzieller Seiten – und meistens steckt auch wirklich etwas dahinter, was mich interessiert. Zudem werden über die Kommentarfunktion Diskussionen geführt. Erst vor wenigen Tagen haben Menschen, die sich nicht einmal alle kennen, eine hochinteressante, komplexe und intelligente Diskussion über Atomkraft begonnen. Bissig und ironisch, wütend, angriffslustig, aber immer mit Köpfchen. Gefällt mir!
Dritter Punkt: Da viele Firmen Facebook für ihr Marketing entdeckt haben, bekommt man zwar auch viel Werbung zu lesen, aber es gibt gerade für Facebook-Fans oft tolle Aktionen. Bei John Frieda habe ich ohne viel Aufwand neulich ein Go-Blonder-Produktset gewonnen, zur Weihnachtszeit gab es in einem Facebook-Adventskalender eines Onlineshops täglich tolle Gewinne, auch da habe ich einen hochwertigen Marken-Poncho abgesahnt. So eine hohe Wahrscheinlichkeit in Gewinnspielen zu punkten gab es wohl nie zuvor.
Und die Moral von der Geschicht’
Facebook ist Fluch und Segen zugleich. Es erleichtert und erschwert, es macht süchtig und wütend, es macht glücklich und provoziert Missverständnisse. Es soll ja schon Paare gegeben haben, die sich wegen eines aus Spaß veränderten Beziehungsstatuses haben scheiden lassen. Soweit darf man es mit der Facebook-Sucht dann wirklich nicht kommen lassen. Ich werde wohl weiterhin rumsurfen, Zeit verplempern, „I like!“ sagen und nach den guten Seiten des Netzwerkes suchen, um mir das Ganze schön zu reden. Denn Sucht hin, Ablenkung her: Abmelden ist doch auch keine Option.